An den Tagen von 18.-19. Mai findet in Warszawa bereits zum vierten Mal die Konferenz „Dispute Resolution in M&A Transactions” statt. Worauf bezieht sich die Konferenz und an wen ist sie gerichtet?

Tatsächlich, dies ist bereits die vierte Ausgabe der Konferenz, die sich mit der Zeit zur Biennale verwandelt hat. Die Konferenz ist das Flaggschiff-Event des Schiedsgerichts Lewiatan, sie ist der Thematik der Schiedsgerichtsbarkeit, und konkret des Schiedsgerichts bei Fusions- und Übernahmetransaktionen gewidmet. Sie ist an Schiedsrichter, Rechtsanwälte (sowohl von Rechtsanwaltskanzleien als auch Unternehmensanwälte) aber auch an Geschäftsberater, die sich mit M&A Transaktionen befassen.

Woher stammt die Idee für die Organisation einer Konferenz mit genau diesem Thema?

Die Idee war in Wahrheit das Ergebnis meiner beruflichen Interessen. Für mich – Rechtsanwältin mit Erfahrung bei M&A Transaktionen, gleichzeitig Schiedsrichter und Vorsitzende des Schiedsgerichts Lewiatan – stellte diese Thematik einen natürlichen Gegenstand der Erwägungen dar. Ich hatte gleichzeitig das Gefühl, dass das Thema nicht ausreichend gepflegt wird und es sich lohnen würde, sich damit zu befassen. Ein zusätzliches Ziel, das die Idee der Konferenz begleitete, war der Wunsch nach Förderung des Gerichts an sich, aber auch Polens als wichtiges Schiedsgerichtszentrum in der Region. Die ursprünglich Idee sah nicht vor, dass die Konferenz sich zu einem zyklischen Ereignis entwickeln würde. Es stellte sich heraus, dass die Idee sehr gelungen war, und die Konferenz auf einen sehr guten Empfang stieß, nicht nur in Polen, sondern auch im internationalen Umfeld.

Worin steckt der Erfolg der Konferenz, die in ihrer Geschichte auch Nominierungen für die OGEMID Preise in der Kategorie ‘Diversity’ besitzt?

Vor allem gelang es uns, in eine Nische zu treffen. Es gibt keine zweite solche Konferenz in der Region. Außerdem haben wir uns gewagt, eine internationale, in englischer Sprache geführte Konferenz zu organisieren. Dank der Unterstützung internationaler Organisationen, wie ArbitralWomen oder Internationales Schiedsgericht ICC gelang es uns, die Pfade breitzutreten und viele herausragende Fachleute, Experten des Bereichs Schiedsgericht und M&A Transaktionen nach Warschau einzuladen.

Während dieser einigen Jahre hatten wir, was ich ohne Befürchtung sagen kann, internationale Berühmtheiten zu Gast, wie etwa Gary Born, Mark Kantor, Marc Blessing, Penny Madden oder Wendy Miles, wie auch Vertreter der größten Schiedsgerichtsinstitutionen wie ICC, SIAC, VIAC, DIS, ASA, ICDR oder SCC.

Wir legen jegliche Bemühungen daran, dass die Vortragenden verschiedene Jurisdiktionen vertreten und die Themen der Sitzung die aktuellsten Themen umfassen. Bisher hat diese Strategie sich bewährt, der Beweis dafür ist die Beliebtheit der Konferenz und zumindest die erwähnte Nominierung für die OGEMID-Preise, mit der Begründung, in der die Konferenz als „Durchbruch“ (orig. ground-breaking) bezeichnet wurde. Die Konferenz versammelt jedes Jahr etwa 250 Teilnehmer, an der letzten Konferenz nahmen z. B. Vertreter aus 20 verschiedenen Ländern teil.

Wie beurteilen Sie aus der Perspektive des Vorsitzenden des Schiedsgerichts Lewiatan die Entwicklung der Schiedsgerichtsbarkeit in Polen im Laufe der letzten Jahre.

Das Schiedsgericht gewinnt in Polen immer mehr Anhänger. Das sieht man etwa nach der Menge von Fällen, die vor dem Gericht Lewiatan gelöst werden. Nichtsdestotrotz tut jedoch immer noch der Mangel an Wissen Buße. Die Benutzer des Schiedsgerichts schätzen seine Effektivität, Schnelligkeit, Elastizität sowie die Tatsache, dass der Streitfall von Schiedsrichtern gelöst wird, die die Branche kennen, auf die der Streit sich bezieht. Als größten Mangel erachtet man die mit dem Schiedsgericht verbundenen Kosten. Und hier kommt die wichtige Rolle der Schiedsgerichtsinstitute ins Spiel, um den Erwartungen entgegenzukommen. Ein Beispiel dafür kann der Beschleunigte Modus sein, der gemäß den Richtlinien des Gerichts für Fälle mit niedrigerem Streitwert erarbeitet wurde.

Zur Konferenz zurückkehrend, können Sie die Ihrer Meinung nach interessantesten Themen nennen, die während der diesjährigen Ausgabe der Konferenz diskutiert werden?

Aus rein privater Sicht wird die mir am nächsten liegende Thematik declaratory relief also Feststellungsklage sein. Dies folgt jedoch aus meinen laufenden wissenschaftlichen Interessen. Ich hoffe jedoch, dass jeder hier etwas für sich findet. Traditionell haben wir einige ‘case study’ Vorschläge vorbereitet, es wird als eine Übersicht praktischer, interessanter Fälle aus dem Grenzbereich Schiedsgericht und M&A geben, man wird auch von neuesten Trends und wesentlichen Ereignissen hören können – der zweite Tag der Konferenz wird der Lösung von Schiedsgerichtsstreiten bezüglich öffentlicher Gesellschaften gewidmet sein.

Und noch die sprichwörtliche ‘Kirsche auf der Torte’, also das feierliche Konferenz-Abendessen, das diesmal in den wunderbaren Räumen der Stara Pomarańczarnia (dt. Alten Orangerie) stattfinden wird – wird die erträumte Gelegenheit zum direkten Austausch von Erfahrungen mit Rednern und Kollegen ‘vom Fach’ sein.

Wir laden herzlich zum Kennenlernen des Konferenzprogramms auf der Seite des Gerichts Lewiatan ( www.sadarbitrazowy.org.pl ) sowie zur Teilnahme an der Konferenz selbst ein.

Interview mit Dr. Beata Gessel-Kalinowska vel Kalisz , Vorsitzende des Schiedsgerichts LEWIATAN, Senior Partner und Gründerin der Rechtsberaterkanzlei GESSEL.