In dem polnischen Rechtssystem wurde eine Schaffung alternativer Handelssysteme möglich, nachdem die Rechtsakte erlassen worden waren, die jetzt den polnischen Kapitalmarkt fortsetzen – Angebotsgesetz und Umsatzgesetz. Die offizielle Einweihung des ersten alternativen Handelssystems – Aktienmarkts NewConnect geführt durch die Wertpapierbörse (GPW) – fand genau am 30. August 2007 statt. Das 10. Jubiläum des Bestehens des NC-Markts bietet eine gute Basis für die Zusammenfassung, wie sich der Markt während der bisherigen Laufzeit im Hinblick auf Informationspflichten der auf ihm notierten Unternehmen änderte.

Die Hauptidee der Entstehung des NewConnect- Marktes war Absicht, eine Handelsplattform zu schaffen, die einerseits  Erwerb von Geldmitteln durch Emittenten flexibel ermöglicht und auf sie kleinere Beschränkungen auferlegt als diese, die für Unternehmen auf dem Regulierten Markt gelten, andererseits sichert das Prestige des öffentlichen Unternehmens und bildet einen transparenten Handelsplatz (der organisierte Charakter des Marktes).

Seit Beginn der Tätigkeit von NC waren die Unternehmen verpflichtet, laufende und periodische Berichte zu erstatten. Die Grundlage der Erfüllung von Informationspflichten war ASO-Geschäftsordnung, in der ein kasuistischer Katalog der laufenden Informationen unterschieden wurde. Es gab keine ausdrückliche Pflicht, vertrauliche Informationen weiterzuleiten  - vorbehalten den auf dem Regulierten Markt notierten Unternehmen, obwohl die ASO- Geschäftsordnung den  Emittenten (bis zum Inkrafttreten im Jahr 2016 der Bestimmungen der MAR-Verordnung) Verpflichtung  auferlegt, die laufenden Informationen über alle Umstände oder Ereignisse in Form von laufenden Berichten zu ermitteln, die einen wesentlichen Einfluss auf ihre Wirtschafts-, Ertrags- oder Finanzlage haben können oder die nach ihrer Einschätzung den Preis oder den Wert des notierten Finanzinstrumentes wesentlich beeinflussen könnten.

Was den Umfang den Anlegern übermittelten Finanzinformationen angeht,  veröffentlichten Unternehmen in der ersten Etappe des Marktfunktionierens Jahres- und Halbjahresberichte. Ein Halbjahresbericht beinhaltete ausgewählte Finanzinformationen, die vom Wirtschaftsprüfer (im Gegensatz zu Berichten der Unternehmen im Regulierten Markt) nicht überprüft werden mussten. Für Emittenten des NewConnect-Marktes  galt auch keine Pflicht (und weiterhin gilt es nicht), gemäß MSR/MSSF Finanzberichte zu erstellen.


Aus Perspektive der Marktentwicklung wurde sichtbar, dass die den Anlegern bereitgestellten Finanzinformationen kein vollständiges Bild der Finanzlage von Unternehmen vermittelten. Demzufolge (ab 2009) wurden Änderungen in die ASO-Geschäftsordnung eingeführt. Obligatorisch war die Veröffentlichung von vierteljährlichen Berichten, gleichzeitig wurde auf die Pflicht der Veröffentlichung von Halbjahresberichten verzichtet. Im Lauf der Jahre war zu beachten ein gewisser Trend der Verschärfung von Anforderungen betreffend der Erfüllung durch Unternehmen des NC-Marktes der Informationspflichten (was auch mit Verschärfung von Kriterien der Vermarktung  korrelierte – ausgedrückt selbst durch den Mindestnennwert einer Aktion oder Besitz des Eigenkapitals in Höhe von mindestens 500.000 PLN). Diese Änderungen schützten aber den Markt vor spektakulären Insolvenzen nicht.


Ein herausragendes Ereignis war aber das Inkrafttreten der MAR-Verordnung. Dank dessen fielen die Unternehmen des NewConnect-Marktes in ihren Anwendungsbereich, was die Erfüllung der Informationspflichten, denen Emittenten unterliegen,  wesentlich änderte. Heutzutage sind Emittenten des NC-Marktes verpflichtet, vertrauliche Informationen unverzüglich zu identifizieren und sie an die Öffentlichkeit mitzuteilen. Es gibt auch höhere Verwaltungssanktionen für die Nichtbeachtung oder Verletzung der Informationspflichten, die strickte aus dem Angebotsgesetz und Umsatzgesetz folgen. Dies war auch der Grund dafür, dass die ASO-Geschäftsordnung (und folglich EBI-System) hörte es auf , der wichtigste Kanal für den Informationsaustausch mit dem Markt zu sein.

Bisher entschieden über die Attraktivität des NewConnect-Marktes vor allem weniger strenge Informationspflichten und auch niedrigere Kosten als auf dem Hauptparkett. Nach dem Inkrafttreten der MAR-Verordnung wurden die Informationspflichten der Unternehmen notiert auf dem Regulierten Markt und auf dem NewConnect-Markt in hohem Maße konvergent. Die erwähnten Änderungen kann man aus einigen Perspektiven betrachten. Einerseits führen sie sicherlich zur Stärkung des Anlegervertrauens in den Markt und haben einen positiven Einfluss auf Transparenz von NC. Andererseits darf man sich die Frage stellen, ob die auf dem NewConnect-Markt notierten Unternehmen bereit sind und über Mittel verfügen, die erlauben, ihnen immer stärkere Informationspflichten korrekt zu erfüllen? In Bezug auf hohe Sanktionen, welche für Nichterfüllung oder falsche Erfüllung von Informationspflichten auferlegt sein können, scheint es unentbehrlich zu sein,  Maßnahmen zur Sensibilisierung der Emittenten durchzuführen, deren Aktien auf dem NC-Markt notiert sind.

10 Jahre auf dem NewConnect-Markt zeigen, dass dieser Markt zweifellos ein voller Erfolg ist, wovon insbesondere Beispiele von Emittenten überzeugen, die ihre Unternehmen dynamisch entwickelten und ihre Notierungen auf den Hauptparkett übertrugen. Es stellt sich die Frage, ob dieser Markt  - nach den vor kurzem vorgenommenen Änderungen – weiterhin so attraktiv für Emittenten wie bisher bleibt.