fbpx

Es wäre besser, das einmal aber richtig zu beschreiben

Der Artikel "Dreißig Prozent Frauenmacht" ("Rzeczpospolita" vom 10. Juli 2018, Web-Ausgabe vom 14. Juli 2018, "Frauen verwalten Anwaltskanzleien seltener als Männer") von Paweł Rochowicz erregte große Aufregung unter den Anwälten der Anwaltskanzlei GESSEL, deren Gründerin ich bin, somit war die Polemik notwendig Vielleicht etwas verzögert, aber im Leben der Anwälte haben die Ereignisse der letzten Tage im Zusammenhang mit der Dereform des Obersten Gerichtshofs andere wichtige Fragen verdeckt. Die Anwaltskanzlei GESSEL gehört nicht zu den Top Ten der "Rzeczpospolita"-Rankings, auf deren Grundlage der Redakteur Rochowicz seine Ansichten in dem Artikel begründet hat, aber sie hat mehr als sechzig Anwälte und beschäftigt mehr als einhundert Mitarbeiter. Daher erfüllen wir die im Artikel angegebenen Bewertungskriterien. Ich bin selbst seit fast zwanzig Jahren verheiratet, ich habe zwei fast erwachsene Söhne. Es besteht daher kein Zweifel, dass ich sowohl in der Weltsicht als auch in der Interpretation der in ihr vorkommenden Prozesse - die im Text vorgestellt werden - sowohl eine Frau bin, als auch Anwältin, was mich zu einer Stellungnahme in Bezug auf die Frage der Gleichstellung von Frauen berechtigt.

Sie sind selber schuld ...

Die Thesen des Artikels des Redakteurs Rochowicz sind schockierend und kommen aus einer anderen Zeit: Dass Frauen in wichtigen Rechtspositionen ein Missverhältnis darstellen, ist eine Tatsache, aber der Artikel zeigt, dass diese Ungleichheit von den Frauen selbst verursacht wurde, durch ihren Widerwillen, verantwortungsvolle Positionen einzunehmen, ihre fehlende Kondition, um ganze Tage und Nächte dauernde Verhandlungen zu führen(bitte sagen Sie den Hunderten von Anwältinnen, die Tag und Nacht in den Kanzleien arbeiten, Assistentinnen, die oft Dokumente verfassen, ergänzen und korrigieren), durch ihre übermäßige Sensibilität für Menschen und Leid (es ist überraschend, dass wir überhaupt noch Krankenschwestern auf dieser Welt haben, und aus dem Rechtsumfeld - weshalb urteilen so viele Richterinnen an Familiengerichten?). Frauen hingegen, die körperlich und seelisch belastbar sind, und den Willen dazu haben, werden entweder durch andere Frauen oder einen Flugzeugabsturz daran gehindert. Irgendwo im Schatten dieser Phänomene, hat Redakteur Rochowicz das "männliche Diktat" (zitiert) platziert. (...)

Ohne Quasi-Argumente

Dieser Artikel sagt uns, dass es über den Köpfen von Frauen eine Glasdecke gibt und diese aus gehärtetem Glas besteht. Ich teile diese Meinung, verstehe aber nicht warum Redakteur Rochowicz diesen Zustand plötzlich mit der Schwäche von Frauen erklärt? In einem Text ist unsere Schwäche nach Ansicht des Autors die Macht des Systems, im nächsten Text erwähnt Redakteur Rochowicz dieses System nicht einmal, und konzentriert sich auf die körperliche und psychische Unvollkommenheit von Anwältinnen. Wäre es nicht besser, einen zusammenhängenden Artikel zu schreiben? Stattdessen entsteht der Eindruck, dass Herr Rochowicz auf zwei Hochzeiten tanzen wollte, oder, wie man in Polen sagt - Gott die Kerze und dem Teufel den Stumpf geben wollte. In diesem Zusammenhang fühle ich mich als Teufel, stark, selbstbewusst und - wie furchtbar - verwaltend; die Kerze zündet der Redakteur Rochowicz den Männern - aber nicht den echten, sondern den schwachen, chauvinistischen und Frauenrechte verachtenden. Das Thema, das der Autor in der "Rzeczpospolita" angesprochen hat, ist sehr wichtig. Ich ermutige hiermit den Herrn Redakteur und Ihre Redaktion, eine Debatte und eine sachliche Analyse des Problems zu organisieren, ohne Quasi-Argumente in Form doppelter Vorurteile zu erwähnen. Eine solche Debatte hat die Chance, Veränderungen herbeizuführen.

Der ganze Artikel ist verfügbar in der Tageszeitung  Rzeczpospolita vom 14.08.2018