Mit der Absendung einer aktuellen Mitteilung, die über einen offiziellen Kommunikationskanal erfolgte, und der anschließend einberufenen Pressekonferenz handelte eine bekannte Holdinggesellschaft aus dem Bereich Montanindustrie im Sinne der geltenden Vorschriften und der kapitalmarktüblichen Praxis. Dieser Kommunikationsweg ist korrekt, solange auf der Pressekonferenz keine vertraulichen Daten mitgeteilt werden, die nicht im Vorfeld offiziell bekanntgegeben wurden .

Auf dem Kapitalmarkt gibt es viele Unternehmen, von denen lauter positive Signale und Berichte über tolle Unternehmenszahlen übermittelt werden. Dabei erreichen ihre Aktien – ob auf dem Inlandsmarkt oder im Vergleich mit ausländischen Wettbewerbern – nur selten ein halbwegs zufriedenstellendes Wertniveau. Deshalb sollten sich börsennotierte Unternehmen nicht nur auf trockene Mitteilungen beschränken. Notwendig sind zusätzliche Maßnahmen zum Aufbau der Kommunikation mit den Aktionären, so dass ein vollständiges und wahres Unternehmensbild vermittelt werden kann. Die Informationspolitik und der Kommunikationsaufbau unterliegen jedoch den börsenüblichen Spielregeln.

Die in Polen wie auch in der gesamten EU geltenden gesetzlichen Regelungen stellen Unternehmen eine Reihe von Instrumenten zur Durchführung von IR-Maßnahmen zur Verfügung. Eins muss allerdings beachtet werden: allen Marktteilnehmer ist gleicher Informationszugang zu gewähren. Die geltenden Vorschriften verpflichten emittierende börsennotierte Unternehmen zur Wahrung der Informationspflicht und zur Mitteilung aller wichtigen Ereignisse an alle Marktteilnehmer gleichzeitig, also in einer bestimmten, systematisierten Weise in Form eines laufend oder periodisch zu übermittelnden Berichts und unter Verwendung bestimmter Kommunikationswege – in Polen über das ESPI-System. Das Unternehmen darf sich nicht an einen engen Kreis der Aktionäre wenden und diesen im Vorfeld, geschweige dann exklusiv, vertrauliche und dem Rest des Marktes unbekannte Informationen übermitteln.

Das heißt nicht, dass keine Pressekonferenzen, Briefings oder Termine mit ausgewählten Aktionären oder Medien stattfinden dürfen. Wichtig ist jedoch, dass bei solchen elitären Sondertreffen keine vertraulichen Informationen übermittelt werden, also Informationen, die im Vorfeld nicht außerhalb des Unternehmens bekannt waren und dem Markt nicht kommuniziert wurden und sich auf den Aktienwert auswirken könnten.

Bei Terminen mit Aktionären, Medien oder Marktanalytikern dürfen börsennotierte Unternehmen Informationen übermitteln, die eine Wiederholung früherer Meldungen sind oder früher veröffentlichte Informationen ergänzen sollen, aber an sich nicht vertraulich sind und zum besseren Verständnis der Geschäftsabläufe im Unternehmen oder Prozesse im gesamten Geschäftszweig oder eines konkreten Ereignisses verhelfen sollen. Zu solchen Informationen zählt im Falle der erwähnten Holdinggesellschaft z.B. die Erläuterung derselben, warum die Seefrachtkosten den Import afrikanischer Kohle und die Investitionen in Abbauprojekte in Südafrika nicht unrentabel machen, was ja den Sinn der gesamten, auf der internationalen Expansion basierenden Entwicklungsstrategie des Unternehmens in Frage stellen würde.

So gehen bezüglich der Informationspflicht auch viele andere Unternehmen vor, die zuerst die gesetzlich vorgeschriebenen Berichte über das ESPI-System versenden und erst dann Konferenzen, Briefings und sog. Roadshows für Medien, Analytiker und Anleger veranstalten, auf denen die früher übermittelten Informationen wiederholt und Fragen beantwortet werden. Durch solche Veranstaltungen hat das Unternehmen die Möglichkeit, die Teilnehmer von seinem Standpunkt zu überzeugen und auf diese Weise auch positive Kommentare in der Presse zu den früher übermittelten Informationen zu erwirken. Solche Maßnahmen sind nicht gesetzwidrig und sind üblich auf Kapitalmärkten. Die Konferenzen werden oft live im Internet übertragen, wodurch, zumindest theoretisch, alle gleichen Zugang zu den auf diesem Wege übermittelten Informationen haben. Zu betonen ist hier allerdings, dass dieser Kommunikationsweg keineswegs das ESPI-System als offiziellen Kommunikationskanal für laufende und periodische Informationen ersetzen darf.

Beim Aufbau der Marktkommunikation ist stets daran zu denken, dass jeder Aktionär eine bestimmte Rolle für das Unternehmen spielt. Langfristig orientierte Aktionäre sind relativ immun gegen Konjunkturschwankungen und Gerüchte, wodurch sie für stabilen Aktienkurs, unternehmensinterne Sicherheit und Kapitalzufluss zur Finanzierung vielversprechender Investitionen sorgen. Kurzfristig orientierte Aktionäre dagegen sorgen für laufende Liquidität, was sich wiederum positiv auf die Wahrnehmung des Unternehmens durch den Markt und den aktuellen Wert der Aktien bei Neuemissionen auswirkt. Deshalb ist es wichtig, für die Aktien des Unternehmens das Interesse beider Gruppen der potentiellen Aktionäre zu gewinnen, und zwar im Verhältnis der Größe des Unternehmens und seiner Kapitalausstattung, denn nur so wird das Unternehmen attraktiv aus der Perspektive des gesamten Marktes.