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In den letzten Jahren hat sich die polnische Politik hinsichtlich der Ausgestaltung von bilateralen Doppelbesteuerungsabkommen gewissermaßen geändert. 

Die Änderungen bestehen u.a. darin, dass in die Abkommen eine Immobilienklausel eingeführt wird, die es erlaubt, Einkünfte aus der Veräußerung von Aktien oder anderen vergleichbaren Rechten (z.B. Erbnießbrauch), die zu über 50% mittelbar oder unmittelbar von in dem gegebenen Staat gelegenen Immobilien erzielt werden, zu besteuern. Es ist ein konsequenter Trend zur Besteuerung grenzüberschreitender Zinszahlungen (Steuersatz 5%) zu beobachten, wobei gleichzeitig eine volle Freistellung von Zinsen für Kredite oder Bankdarlehen angewandt wird, die dem Staat, den Gebietskörperschaften oder vom Staat gehaltenen oder kontrollierten Finanzinstituten ausgezahlt werden. Dies gilt auch für Zinsen, die im Zusammenhang mit Krediten oder Darlehen, die durch solche Rechtsträger garantiert werden, ausgezahlt werden.

Anders als in dem OECD-Musterabkommen (zu dem Polen Bedenken angemeldet hat) wird auch die Definition der Lizenzgebühren für die Nutzung oder das Nutzungsrecht von Industrie-, Handels- oder Forschungseinrichtungen (d.h. z.B. für grenzüberschreitende Leasingverträge) erweitert.

Die polnischen Steuerbehörden erweitern auch den Anwendungsumfang der verhältnismäßigen Anrechnungsmethode auf Kapitalerträge, Einkommen aus wirtschaftlicher Tätigkeit, manchmal auch auf Einkommen aus der Erwerbsarbeit und der Funktion eines Mitglieds des Gesellschaftsorgans (eng. directors fees) – außer den dieser Methode bisher unterliegenden Einkommen aus Dividenden, Zinsen und Lizenzgebühren. Es ist auch eine neue, bisher in den Abkommen, deren Partei Polen ist, nicht beobachtete Praxis zu sehen, Switch-Over-Klauseln in solche Abkommen einzuarbeiten. Dies ermöglicht einen einseitigen Wechsel der Hauptmethode der Vermeidung der Doppelbesteuerung von der Freistellung unter Progressionsvorbehalt in die verhältnismäßige Anrechnungsmethode, sofern die Anwendung der ersten Methode zur Doppelbesteuerung führen sollte.

Die Switch-Over-Klausel wurde im Jahre 2012 in die neuen Protokolle zu den Abkommen mit Luxemburg, Norwegen und der Slowakei eingearbeitet.
 
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