Bericht: Frauensolidarität

Sie haben es leichter. Männer. Sie spielen zusammen Fußball, gehen auf ein Bier und unterstützen sich gegenseitig. Karriere? Das wichtigste. Wettkampf? In den Genen. Frau ... nach der Arbeit nach Hause. Träume von einer Beförderung? Wie kann man sie mit der Rolle der Ehefrau, der Mutter, kombinieren? Manchmal schneiden sie sich selbst die Flügel und kritisieren: "Wie schnell ist sie zur Arbeit zurückgekehrt, das Kind ist doch noch so klein". Aber Frauen wissen bereits, dass sie nur gemeinsam eine Welt der Gleichberechtigung gewinnen können. (...)

Joanna Kisielińska

Zu spät zu einem Bewerbungsgespräch kommen? Die Katastrophe. Das ist wegen des Streiks der Taxifahrer! Joanna erinnert sich an die Angst, ob die Anwältin mit ihr noch sprechen wollen würde. - Zum Glück steckte auch sie im Verkehr fest. Zwischen uns hat es Klick gemacht, erinnert sich Joanna. Sie studierte Rechtswissenschaften in Toruń, war erst anderthalb Jahre in Warschau und kannte das Umfeld nicht gut. Sie träumte von der Arbeit in der Schiedsgerichtsbarkeit, sah sich als Anwältin im Gerichtssaal. Eine Frage: Wie schaffe ich es in eine gute Kanzlei? Sie rieten ihr: Geh zu Beata Gessel, sie ist die "First Lady der polnischen Schiedsgerichtsbarkeit". Aber wird ein berühmter Anwalt ein Mädchen ohne Erfahrung einstellen? - Im Büro im obersten Stock eines eleganten Wolkenkratzers wurde ich von Frauen begrüßt. Es stellte sich heraus, dass viele von ihnen in der Kanzlei arbeiten.

Beata Gessel-Kalinowska vel Kalisz

- 1989 bemerkte ich als Debütantin die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern in der Wirtschaft nicht. Mein Hauptkunde war der Polnisch-Amerikanische Unternehmensfonds, dessen Leiterin in Polen eine Frau war, Barbara Lundberg. Anspruchsvoll, aber freundlich. Aus heutiger Sicht könnte ich sie als Mentorin bezeichnen. Nach ungefähr einem Jahrzehnt habe ich meine Meinung geändert. Ich habe erfahren, dass in der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit nicht mehr als fünf Frauen auf 100 männliche Schiedsrichter kamen. In Polen noch weniger. Es stellte sich jedoch heraus, dass "Kompetenzen ein Geschlecht haben" - gibt die Rechtsanwältin zu. Man musste im Ausland nach Unterstützung suchen. Also London, der Verband Arbitralwomen, ein Anruf bei der bekannten Schweizerin, Prof. Gabriela Kaufmann-Kohler: "Können Sie sich mit mir treffen?". Die Professorin hatte den Kalender für das Jahr vollgeplant, aber sie aß mit der ehrgeizigen Polin zu Mittag. Sie unterstützte ihre Initiative und bald fand in Polen eine internationale Schiedsgerichtskonferenz statt. Geld kam von der Europäischen Union. Es wurden Workshops für Frauen veranstaltet, die bereit waren, als Schiedsrichterinnen zu fungieren. Henryka Bochniarz von Lewiatan, die an die Solidarität der Frauen glaubt, half. Auch Beata Gessel glaubte daran. Bis heute versucht sie, Frauen in Schiedsverfahren zu unterstützen. Jetzt gibt es ein Problem, da in ihrer Abteilung nur ein Mann arbeitet. - Ich muss mehr einstellen, damit mir keine Diskriminierung vorgeworfen wird - lacht sie.

 

Der vollständige Text des Artikels ist in polnischer Sprache im Twój Styl Magazin (Oktober 2020) verfügbar.