Der Senior ist ein Wert. Ein Potential. Erfahrung und Kapital. Im Kontext meiner juristischen Praxis habe ich immer gesagt, dass die Erfahrung etwas bildet, was nicht in einem Buch zu finden ist, was aber von größter Bedeutung in unserer Arbeit und eigentlich in unserem Leben ist. In welchem Zusammenhang steht das mit den Fragen der Seniorenwirtschaft? Ich würde sagen – in einem äußerst wichtigen Zusammenhang.

Der Herbst des Lebens ist ein Begriff, welcher im Recht nicht verwendet wird. Aber – als Rechtsanwalt und einfach als Mensch – möchte ich diese Zeit der Reife, Erfahrung und des Wissens als eine Zeit des Friedens und der Sonne verstehen. Damit dies möglich ist, sind Veränderungen erforderlich. Die digitale Ausgrenzung, das Paradox der vierten Etage, Schwierigkeiten beim Zugang zur Gesundheitsversorgung und der allgemeine Mangel an Geduld und Einfühlungsvermögen seitens der Gesellschaft haben den Herbst des Lebens in einen kalten, harten Winter verwandelt. Und aus der rechtlichen und menschlichen Sicht sollte dies der Sommer sein!

Ist das aktuelle Rechtssystem ausreichend oder sollten Änderungen eingeführt werden? Erfüllen die Normen des Rechtsschutzes ihren Zweck? Und wenn sie tatsächlich schützen – unterstützen sie auch unsere älteren Mitbürger und erleichtern ihr Leben?

Die Zukunft bedeutet E-Medizin und E-Rezepte sowie die Eröffnung der Welt der Technik für Senioren. Die soziale Ausgrenzung und die Herbst-des-Lebens-Theorie sind nicht nur ein Fluch für Senioren und ihre Angehörigen, sondern bedeuten auch immer höhere Kosten für den Staat und ein Potential, das in der Wirtschaft und im Business nicht genutzt wird. Ist es angebracht, hier Business zu erwähnen? Ja, natürlich – vorausgesetzt, dass dies das Leben unserer Senioren verbessert.

Die Rechtsvorschriften müssen geändert werden. Ein „elementarer Schutz“ für ältere Menschen ist nicht genug, wir brauchen Änderungen, die den technischen Fortschritt berücksichtigen und diesen zugleich inspirieren. Die Gesellschaft altert. Die Welt ändert sich und wird sich immer ändern. Neue Technologien werden ein Potential schaffen und das Recht muss sich auch entwickeln, sonst wird die Ausgrenzung zu einem großen Problem.

Zusammenzufassend: Arbeit an Konzepten und speziellen Lösungen für Senioren? Ja. Analyse der sich verändernden Welt durch juristische Kreise, damit Senioren in einer komfortablen Umgebung leben? Ja. Einbeziehung von Senioren in das Leben der jüngsten Familienmitglieder? Ja. Der Senior als Mentor im Leben, das Kind als Mentor in der vernetzten Welt der modernen Technik? Ja. Und all das im Rahmen vom durchdachten Recht. Das Recht in Bezug auf ältere Bürger muss komplex und dynamisch sein – wie das Leben selbst.

Jeder von uns wird mal älter. Wir sollten daher dem bekannten Spruch von M. Gandhi folgen: „sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt."