Viele Personen sind der Meinung, dass die Fähigkeit, Briefe zu schreiben, ausstirbt. Ich habe aber eine andere Meinung. Das Briefeschreiben ist nach wie vor eine Kunst. Das Briefeschreiben gibt eine besondere geistige Verbindung mit der Person, an die wir unsere Worte richten, und erlaubt es, Gedanken zu Papier zu bringen, die man im Gespräch vielleicht nicht unbedingt ausdrücken würde, Bemerkungen mitzuteilen, zu denen man nach längeren Überlegungen kommt. Interessant sind Schicksale der Briefe. In dem Augenblick, wenn das Kuvert zuklebt wird und der Brief im Briefkasten landet, hört der Autor des Briefes grundsätzlich auf, Disponent dieses Briefes zu sein. Die Person, an die die Korrespondenz gerichtet war, hat dann das Recht, diese zu verbreiten. Bis zu zwanzig Jahren nach ihrem Tod bedarf die Verbreitung der Korrespondenz der Zustimmung des Ehepartners oder, falls es keinen gibt, der Zustimmung folgender Personen in der genannten Reihenfolge: der Deszendenten, der Eltern oder der Geschwister, es sei denn, der Adressat hatte einen anderen Willen. Weder der Absender, noch seine Erben können der Verbreitung der Korrespondenz widerstehen (...)